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                                                Königstein 22.7.59

 

Theurer Siegmund!

 

Deine Befürchtungen, welche Du in kindlicher Liebe hegest,

sind gottlob unbegründet(?). Die liebe Mama soll die . . . . . . (?)

hier . . . . . . . . . brauchen, & da sie ohne mich in ihrer

Bescheidenheit & Selbstverleugnung, gewiß nicht gegangen

wäre, so preise ich den Gedanken, die Schweizer-

reise aufgegeben zu haben. Es wird der l. Mutter

gewiß sehr gut thun, & ich zweifle nicht daran, auch

mir. Es ist hier prächtig, sehr schön! Schon studiere ich

eine fürstliche Karte von Ullrich & die nächste

Woche wird die grüne Praxis des Waldlebens

der grauen Theorie der verbrannten Wiesen (?) nach-

folgen. Auch wegen „rulula“(?) , wie Du Dich orien-

talisch (?)-gutt. . . halisch (?) ausdrückst, ist es sehr gut

so, da ich . . . . .     . . . . . . . . versäumt hätte,

die besser mir als meinem Ex= (hebr.)=Indacteur

in  Offenbächle zu Gute kommen sollen! – Percant(?)

alle ge. . . . . .  Seelen! – Das(?) bleibe für nun

 

                                                der ..frain?


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aller alten Studenten, die zu 50 Jahren noch, &

alle jungen, die zu 20 Jahren schon für die

höchsten Aufgaben des Mannesalter glühen! –

O wie gerne hätte ich in Deiner Gesellschaft Colle-

gia besucht – wie freute ich mich innigst darauf!

Nun, so Gott will, das nächste Jahr in München! –

Über Dein längeres Verbleiben in G., wenn

die . . . . . . .    begonnen, müßten wir .abend . . . . . . . . .

Gutturalen befragen, die „ah!“ oder: „ach!“

lauten je nachdem! – Zu Hause brauchst

Du nichts, & repetitio(?) mater studiorum!

Ein andermal mehr darüber! – Werthei-

mer läßt sich nicht bereden, Isaak mit-

zu nehmen & doch soll er fort, & wenn er

allein reisen müßte. - Auch der junge

Sulzbach, sein böser Gesell, ist wegen dummer

Streiche fort, auch allein – Kinder –

Elternschmerz  – Der brave alte Sulzbach! -

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Doch ich hoffe, daß die jungen Mak aus Alten-

kundstadt, die Ende August nach Amerika

gehen, confirmirten vor mir, brave Männer,

Isaak mitnehmen. – Was ist zu thun? – Wir

müßens tragen, & unsere anderen Kinder

weerden, dessen sind wir sicher, unseren Schmerz

nach Kräften auszugleichen bemüht sein. – Zur

Feier bin ich eingeladen worden, zur dortigen

Synagogen-Einweihung, Anfangs September

zu kommen, & werde ich wahrscheinlich, da

Freund Kahn noch zu angegriffen ist, die

Einweihungspredigt halten. Du wirst mich gewiß

gerne dorthin begleiten. – Leb wohl, theurer

Sohn! - . . . . .   . . . . . ., was Du noch für

Geld brauchst, & ich werde Dirs übermitteln. –

Der F.A. dieser Woche wird Dich freuen. – Sende

bald etwas! – Sei herzlich gejüßt & umarmt von

                                    Deinem

                        Dich innigst liebenden Vater

                                    Leopold Stein

(bei Herrn Ruot(?)

zum Felsenkeller(?).)

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Lieber Sigmund!

 

Auch von mir ein herzliches G. . . . . . .

Du brauchst um mich nicht die geringste Sorge

tragen, denn ich versichere Dich mein kleines

Unwohlsein ist so unbedeutend, daß ich hätte sehr

wohl keine Cur brauchen müssen, alleine da

& Papa . . . .  Dr,. Schwarzschild . . . . . . . . , nur so

soll es sein. – Lebe recht wohl, entschuldige

mein weniges Schreiben, denn es ist sehr heiß.

                        Deine

                                    Dich zärtlich liebende Mama

                                                Leonore.