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Theurer Siegmund !

 

            Du mußt heute, da ich nur sehr wenig Zeit habe -  die . . . . .

Liturgie nimmt mein ganzes Dichten & Trachten in Anspruch –

mit meinen kleinen Briefe fürlieb nehmen. Beifolgend er-

hältst Du einen Brief von Richter an Prof. Lassault, mit

B.v. R* konnte ich noch nicht sprechen, er ist diesen Winter

wenig hier. Ich unterrichte jetzt im Hause auch die beiden

jungen Kinder – Thesi & Luise – liebe, herrliche Kinder –

aber wenn der Talmud sagt :“sof hakavod la'vo“ – die Ehre

kommt am Ende – so kommt hier die Ehre am Anfang & das Übrige

muß noch nachfolgen. Die Ausgabe des Hasmonaer

hat sich um etwas verzögert; Du wirst sie ad festum,

auf Chanucca, sauber gebunden empfangen. Dann

auch Näheres über die Exemplare an die bayer Majestaet. **

Freund Cohn erwarten wir auf Weih-

nachten & freuen uns recht sehr auf ihn. – Zirndorf’s

Vorlesungen haben mit erfreulichem Succeß begonnen.

Wenn Klopstock sagt,“ die Stille wird stiller“, so wird

die licentia poetica nicht zu groß sein, wenn ich fürchte, Herrn

Zirndorf’s Frau wird noch roeter werden, wenn sein

Erfolg noch steigt! -  Freund Julius wird Dir das

verlangte verschaffen; die budget der Schule werden

aber schwer zu erhalten sein. – Die Kälte von Kaulla’s

 

*    Baron von Rothschild
**  he had in fact sent a copy to the king, as shown by an official thank you from the court of which there is a copy among the letters in the Stein Awards :
Srekretariat

Seiner Majestaet d. Koenigs

Euer Hochwohlgeboren!

Haben Seiner Majestaet dem Koenige Ihr sehr interessantes Drama, die Hasmonaeer, vorgelegt.  Indem ich im allerhoechsten Auftrage fuer Einsendung dieses Werkes, welches Seine Majestaet mit Vergnuegen entgegen nehmen , denke, benuetze ich  diese Gelegenheit zum Ausdrucke vorzueglicher Hochachtung.

                                               Euer Hocvhwohlgeboren ergebenster

                                                           v.Pfitzenmeister

                                                    S.d-Kgs.

Muenchen, den 7.Februar 1860

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wundert mich sehr. Hr. Kaulla hier war am

Abend des Hochzeitstages seines Neffen extra bei mir,

um sich mit mir zu freuen – da Du – an denselben

Abend gewiß in München auf seine Empfehlung tanzen

wirst! Also, laß Dir die Empfehlung wieder geben

& tanze darauf! Man kann doch keinen ehrlichen

Sprichwort mehr trauen! Es heißt:“wer nicht

wohl hört, der reimt wohl“, & doch, war die

Prämiße des guten Hrn. Kaulla sehr ungereimt !

Daß Du mir von Deiner victoria disputatoria nur

ein laconisches veni, vidi, vici (?) schreibst, ist sehr un-

recht, sechs Seiten Deines Briefes hätte ich Dir er-

lassen, wenn Du mir zwei Seiten Deines echten (?? ersten ?? )

geistigen Waffenspiels geschrieben hättest. Und so                    

hast Du mir nicht einmal einseitig davon ge-                                

schrieben ! – Merkwürdig ist daß  waehrend Du   über 

„den "dreifachen Gegensatz der Sechszahl“ Colleg ge-

hört hast, ich über die Siebenzahl gepredigt,

als monotheistische (?) Jura indem für die höhere                                      

Einheit aller Gegensätze in Gott manifestieren (?) –                          

die Eins, die über die dreimal zwei verbindend                         

waltet. – Du wirst die Predigt gedruckt lesen,

& ich hoffe, ihr philosophischer Hauch wird Dich gerade

in Deinem jetzigen  stadium philosophendi an-

genehm anheimeln. – Deine Begegnung mit dem l.

Onkel hat mich sehr gefreut. Es war dies eine

nächtliche Engels-Erscheinung, die nicht wie dort

bei Jakob Deine Fortschritts-Ader lähmte,

sondern Deine nervum rerum (?) neu belebte. -

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Möge Dein Fortschritt auf dem Gebiet der Wissen-

schaften damit im besten Einvernehmen bleiben!

Halte mich in dieser Beziehung stets au courant, (?)

& bin ich, es sei wiederholt gesagt, deshalb mit Deinem

jüngsten Brief nicht so zufrieden, wie mit dem ersten. –

Unsere Synagogen-Einweihung ist nun definitiv auf

Rosch-Chodesch-Nisan [23./24. März) festgesetzt & freuen

wir uns , Dich dann bei uns zu sehen! Wie sehr wirst

Du dann Dich selbst erst freuen, wie (?) Dich das be-

wust sein eines rein & reich im Geiste zugebrachten

Winters erheben & beglücken wird! –

 

Herzliche Grüße allen dortigen Freunden & Bekannten;

Hrn. Kohn (?) werde ich demnächst besonders schreiben.

In inniger Liebe grüßt & und umarmt (?) Dich herzlich

                                               

Gut Chanucca (Dienstag Abend!)      Dein treuer Vater

                                                            Leopold Stein

Vergiß nicht Schabbath –

Chanucca die Synagoge zu

begrüßen. –

Fft. 18.12.59

          Nachts 11 Uhr -

 

 

Mein lieber Siegmund! Wenn auch ich heute

nur ein kleines Grüßchen schreibe, so mußt Du

es wohl damit entschuldigen, daß die späte

Nachtstunde es mir unmöglich macht viel zu

schreiben, es ist nehmlich schon 11 Uhr vorüber

und eoben ist der liebe Papa der jetzt so sehr

beschäftigt ist mit dem Brief an Dich fertig

geworden. – Ich habe

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auch weiter nicht viel zu schreiben, als daß

wir alle noch munter sind, was Du gewiß

am liebsten hörst. - . . . . . . . . . .(?) hat uns noch

nicht besucht und sind wir sehr auf seine

näheren Nachrichten von Dir gespannt. –

Die liebe Großmutter, so wie alle Deine Geschwister

lassen Dich herzlich grüßen, erstere wird noch bis zwei Tage

nach Weinachten (sic) hier bleiben, sie will Dir dann

von Nürnberg aus manchmal ein kleines Frühstück (?)

schicken, wie z.B. eine Zunge „ wenn sie gut

ist, gibts nichts Besseres“, Auch ich hätte Dir

mit . . . . . . . gerne etwas geschickt, allein er kam zu

spät zu uns. – Ich hatte Dir nun weiter nichts zu

schreiben als ein herzliches Lebewohl, und eine

pünktlichere Briefantwort auf S2* , denn wir freuen

uns gar sehr mit Deinem lieben  Schreiben, da ich

daraus zu erfahren denke, daß das Papier nicht

wie früher geduldig . . . . . . (?). –

           

Also nochmals herzlichen Gruß und Kuß

       von Deiner Dich zärtlich liebenden  / und Mutter

                                                Leonore   

 

Mein lieber Siegmund (sp) ! Du dürftest so hono-

risch sein meine 3 Dir zugeschickten Briefe endlich zu

beantworten! – Es freut mich herzlich aus Dei-

nen l. Briefen zu entnehmen, dass Du Dich

G.s.D (Gott sei Dank) so zufrieden fühlst. Was mich an-

belangt, so kann ich Dir von mir ein gleiches

melden. Mein Hor.(? Nor) hat Dir gefallen, es gereicht

(this is written on the left margin of page 4)

mir dies zur größten Freude. Ich hoffe, daß auch die

Fortsetzung sich Deines Beifalls erfreuen wird. Doch nun Adé

lebe wohl mein lieber Sigm. u. schreibe bald Deiner Dich innigstliebenden

                                                                                   Thea Stein.

 

* perhaps an allusion to L.S.‘s complaint on p.2 about the lack of information on the „geistige Waffenspiel“


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