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18121858 – Seite 1

 

Theurer Siegmund !

 

            Du mußt heute, da ich nur sehr wenig Zeit habe -  die . . . . .

Liturgie nimmt mein ganzes Dichten & Trachten in Anspruch –

mit meinen kleinen Briefe fürlieb nehmen. Beifolgend er-

hältst Du einen Brief von Richter an Prof. Lassault, mit

. . . .  (?) .u. R. konnte ich noch nicht sprechen, er ist diesen Winter

wenig hier. Ich unterrichte jetzt im Hause auch die beiden

jungen Kinder – Thesi & Luise – liebe, herrliche Kinder –

aber wenn der Talmud sagt:“ 3 hebräische Worte“ – die Ehre

kommt am Ende – so kommt hier die Ehre am Anfang & das Übrige

muß noch nachfolgen. Die Ausgabe des Hasmonaer

hat sich um etwas verzögert; Du wirst sie ad festum,

auf Chanucco (?), sauber gebunden empfangen. Dann (?)

auch Näheres über die Exemplare an die borgor. . .(?) Mai. . . . . . (?)

fr. .(?) – Freund Cohn erwarten wir auf Weih-

nachten & freuen uns recht sehr auf ihn. – Zirndorf’s

Vorlesungen haben mit erfreulichem Succeß begonnen.

Wenn Klopstock sagt,“ die Stille wird stiller“, so wird

die libertia poetica nicht zu groß sein, wenn ich fürchte, Herrn

Zirndorf’s Frau (?) wird noch  . . . . . . . (?) werden, wenn sein

Erfolg noch steigt! -  Freund Julius wird Dir das

verlangte verschaffen; die budget der Schule werden

aber schwer zu erhalten sein. – Die Kälte von Kaulla’s

 

 

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wundert mich sehr. Hr. Kaulla hier(?) war am

Abend des Hochzeitstages seines Neffen extra bei mir,

um sich mit mir zu freuen – da Du – an denselben

Abend gewiß in München auf seine Empfehlung trengen(?-sp.)

wirst! Also, laß Dir die Empfehlung wieder geben

& trenge (sp) darauf! Man kann doch keinen ohnlichen (? sp.)

Sprichwort mehr trauen! Es heißt:“wer nicht

wohl hört, der reimt wohl“, & doch, war die

Prämiß (?) des guten Hrn. Kaulla sehr ungereimt !

Daß Du mir von Deiner victoria disputatoria nur

ein laconisches veri, vidi, vici (?) schreibst, ist sehr un-

recht, sechs Seiten Deines Briefes hätte ich Dir er-

lassen, wenn Du mir zwei Seiten Deines echten

geistigen . . . . . . .. . . (?) geschrieben hättest. Nur so                      [hier sind viele unleser-     

hast Du mir . . . . . . nicht einmal einseitig ge-                                 [liche

schrieben(?) ! – Merkwürdig ist daß   . . .   . . . . . . . .  . .   über      [Worte und folgedessen

„der . . . . .     . . . . .  Gegensatz der . . . . zahl“(?) Colleg ge-

hört hat, ich über die Siebenzahl gepredigt,                                    [Lücken.Vielleicht kann

als . . . . . . . . . . Jura . . . . .  sie die höhere                                       [Lotte sich diesen Brief

Einheit aller Gegensätze in Gott manifestier (?) –                           [mal ansehen. Ich habe

die Eins, die über die dreimal zwei verbindend (?)                         [schon sehr viel Zeit

............(?). – Du wirst die Predigt gedruckt lesen,                          [damit verbraucht.]

& ich hoffe, ihr philosophischer Hauch wird Dich gerade

in Deinem . . . . .  stadium philosophendi an-

genehm anheimeln. – Deine Begegnung mit dem l.

Onkel hat mich sehr gefreut. Es war dies eine

nächtliche Engels-Erscheinung, die nicht wie dort

bei Jakob Deine Fortschritts-Ader lähmte,

sondern Deine nervum revum (?) neu belebte. -

 

 

 

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Möge Dein Fortschritt auf dem Gebiet der Wissen-

schaften damit im besten Einvernehmen bleiben!

Halte mich in dieser Beziehung stets an courant, (?)

& bin ich, es sei wiederholt gesagt, deshalb mit Deinem

jüngsten Brief nicht so zufrieden, wie mit dem ersten. –

Unsere Synagogen-Einweihung ist nun definitiv auf

Rosch-Chodesch-Nisan (?) [23./24. März) festgesetzt & freuen

wir uns , Dich dann bei uns zu sehen! Wie sehr wirst

Du dann Dich selbst erst freuen, wie (?) Dich das be-

wust sein wird rein & reich im Geiste zugebrachten (?)

. . . . . . . . . erheben & beglücken wird! –

 

Herzliche Grüße allen dortigen Freunden & Bekannten;

Hrn. Kote (?) werde ich demnächst besonders schreiben.

Sei innig lieb gegrüßt & und umarmt (?) Dich herzlich

                                               

Gut Chanucca (Dienstag Abend!)      Dein treuer Vater

                                                            Leopold Stein

Vergiß nicht Schabbath –

Chanucca die Synagoge zu

begrüßen. –

Fft. 18.12.59

          Nachts 11 Uhr -

 

 

Mein lieber Siegmund! Wenn auch ich heute

nur ein kleines Grüßchen schreibe, so mußt Du

es wohl damit entschuldigen, daß die zweite (?)

Nachtstunde es mir unmöglich macht viel zu

schreiben, es ist nehmlich schon 11 Uhr . . . . . .

. . . . . . oben ist der liebe Papa der jetzt so sehr

beschäftigt ist . . . . . den Brief an Dich fertig

geworden. – Ich habe

 

 

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auch weiter nicht viel zu schreiben, als daß

wir alle noch munter sind, was Du gewiß

am liebsten hörst. - . . . . . . . . . .(?) hat uns noch

nicht besucht und sind wir sehr auf seine(?)

näheren Nachrichten von Dir gespannt. –

Die liebe Großmutter, so wie alle Deine Geschwister

lassen Dich herzlich grüßen, erstere wird noch bis zwei Tage

nach Weinachten (sp) hier bleiben, sie will Dir dann

von Nürnberg aus manchmal ein kleines . . . . . . .

schicken, wie z.L. eine Zunge „ wenn sie gut

ist, gibts nichts Besseres“, Auch ich hatte Dir

mit . . . . . . . gerne etwas geschickt, allein er kam zu

spät zu uns. – Ich hatte Dir nun weiter nichts zu

schreiben als ein herzliches Lebewohl, und eine

pünktlichere Briefantwort auf hz (?), denn wir freuen

uns gar sehr mit Deinem lieben  Schreiben, da ich

daraus zu erfahren denke, daß das Papier nicht

wie früher geduldig . . . . . . (?). –

           

Also nochmals herzlichen Gruß und Kuß

       von Deiner Dich zärtlich liebenden  / und Mutter

                                                Leonore   

 

Mein lieber Siegmund (sp) ! Du dürftest so hono-

risch nicht sein meine 3 Dir zugeschickten Briefe endlich zu

beantworten! – Es freut mich herzlich aus Dei-

nen l. Briefen zu entnehmen, dass Du Dich

G.s.D (Gott sei Dank) so zufrieden fühlst. Was mich an-

belangt, so kann ich Dir von mir ein gleiches

melden. Mein Hor.(?) hat Dir gefallen, es gereicht

(this is written on the left margin of page 4)

mir dies zur größten Freude. Ich hoffe, daß auch die

Fortsetzung sich Deines Beifalls erfreuen wird. Doch nun Ade

lebe wohl mein lieber . . . . . . . . . u. schreibe bald Deiner Dich innigstliebender 

                                                                                               Thea Stein.

 

 


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medicinischen Professoren Collegia

hören, die für dein Studium nothwendig

sind, dabei will ich von Attributen, an

denen die hiesige Universität bekanntlich

sehr reich ist, gar nicht sprechen.

Vielleicht kannst du es bei deinem Herrn Papa

dahin bringen.

Von dem Aufruhr, der unter den hiesigen Me-

dicinern seit einigen Tagen herrscht, wirst du

jedenfalls in den Zeitungen gelesen haben,

hier nur soviel, dass nach dem Dafürhalten

eines jeden Unpartheiischen die Herrn Studenten

im Unrecht sind, jedenfalls sich bübisch benommen

haben.

Mit meinen Studien geht es so ziemlich; ich habe

viel zu thun, plage mich mit dem Studium des

Corps juris u. unterhalte mich zuweilen mit dem

Studium des sehr interessanten deutschen Strafrechts.

Kennst du vielleicht einen Dr. jur. Paul ...,

der hier studiert hat? Wenn dies der Fall, so

könntest du mir einen Gefallen erweisen.

Er soll, wie mir stud. Jur. Hartmann sagte,

sehr schöne scripta haben, so besonders ein

Pandektenscriptum von Lang. Könntest du