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                                                Heidelberg, 18. April 1860

 

Lieber Lithos!

 

Es thut mir sehr leid, Dich auf unserer Odenwald-

Spritze zu vermissen, das Wetter war so angenehm,

die Lüfte so lau, die Aussicht von den Bergen so

klar, daß wir uns vortrefflich amüsierten.

Wie mir Hiller mittheilt, ist ein in diesen Tagen ein-

getretener Todesfall eines intimen Freundes

Deines H. Vaters die Ursache davon, daß Du Dich nicht bei un-

seren gemüthlichen Bummel betheiligen konntest.

Je mehr ich daher Dein Nichterscheinen berecht-

fertigt finde, desto höher muß ich es anschlagen,

daß so   . . . .  Du, als die werthen Deinigen, mit

bekannter Gastfreundschaft meinen lieben Freund

u. Stubencollegen in diesen traurigen Tagen

aufgenommen. Habe die Güte, Deinen l. Eltern

meinen ergebenen Dankk dafür auszusprechen,

und sie zu versichern, daß, sobald ich irgendei-

nen freien Augenblick haben werde, es mir

zum größten Vergnügen gereichen werde es mir

dies selbst zu thun.

            Hiller eilt sehr, auch ich habe sehr viel zu thun,

Du mußt mich daher entschuldigen. Hier noch eine

große Bitte! Ich erfahre zu meinen nicht geringen

Erstaunen durch Zufall, daß die am 27. Dez. 59

bei Krämer gekaufte R . . .  . . . . . noch nicht bezahlt

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sei! Die Sache verhält sich so: Ich bat H. Krämer, mir

das P. . . . . . . . . noch am Abend des 27. Dez. nebst

Rechnung in das Haus Deiner l. Eltern zu senden.

Dies geschah. Am folgenden Tage, am 28., schickte

mir Hiller 30 uz. nach Offenbach, die von meinen

Eltern nach Heidelbg., an mich gesendet worden wa-

ren. Diesen Brief empfing ich von Mehrl. , an dessen

Hiller denselben adressiert hatte, wenige

Minuten bevor ich nach Heidelberg abreiste. Ich

hatte Mehrl. noch für allerlei kleinere Auslagen

einen Fl. zu zahlen, u. ersuchte ihn, nun seinen Vorschuß(?),

sowie das Geld für die Ra. . . eterin(?) u. 1 fl., den mir

dieser . . . . . . . .  am Abende vorher gegeben, jetzt in

Empfang zu nehmen; ich gab ihm 13 fl. somit war

alles getilgt. Er versprach mir, sogleich bei Bonn(?) u.

Krämer meine Schulden zu zahlen, u. hat es auch

jedenfalls gethan. Allerdings vergaß ich, ihn

in meinem nächsten Brief nochmals daran

zu erinnern, daß er ja nicht daran vergessen möge,

das Geld an den . . . .Orten(?) abzugeben; aber ich

glaube sicher, daß Mehrl. mir den kleinen Ge-

fallen gethan hat. Noch heut Abend werde

ich für alle Fälle an Mehrl. nach Dresden schreiben

u. um Aufklärung bitten. Sollte er im Drange

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der Geschäfte, was doch leicht passieren kann,

daran vergessen haben, bei Krämer meine

Rechnung zu bezahlen, so wird er gewiß sofort

vor dieser Geschäftstour das Geld einsenden.

Hat er es aber bezahlt, so wird er, der doch ge-

wiß Quitttung darüber besitzt, dieselbe an

Krämer nachsenden.

            Du würdest mich also sehr verbinden, wenn

Du mir umgehend antwortest u. mir Mit-

theilung machtest, ob Herr Krämer nicht durch

Mehrl. das Geld erhalten; in jedem Falle aber

ersuche ich Dich, denselben meine Unschuld an diesem

mir sehr angenehmen Vorfall auseinanderzu-

setzen. Es ist wirklich sonderbar, daß ich gerade

damals vergaß. mir quittierte Rechnung anzufor-

dern, während ich, wie Du weißt, über die klein-

ste Kleinigkeit Quittung verlange u. aufbe-

wahre. –

            Richte(?) noch Grüße Deinen l. Eltern,

            Großeltern u. Bruder

                                                von

                                                Deinem Hermann

 

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