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17071860 – Seite 1.

 

Lieber guter Sigmund!

 

Ich habe mich sehr mit Deinem l. Brief gefreut,

er traf aber den l. Papa nicht mehr, der l. Papa

ist wieder in Saanen bei seinen alten lieben

Leuten (Halti) mit Namen er ist bereits

seit dem 10.d. abgereist & Gott sei Dank es geht

ihm recht gut; ich muß Dir sagen, daß der l.

Papa in letzter Zeit sehr angegriffen und

unwohl war, es konnte ja gar nicht anders

sein bei so vielen unangenehmen Erfahrungen

und Kränkungen, ich sage mir immer man

soll seinen Pelz im Sack behalten, es kommt

noch viel Zeit, wo man ihn mit doppelten

Gehalt austheilen kann. - - -     So

wird ihn auch der l. Mater noch austheilen d.h.

wenn er nicht zu edel und aufopfernd wäre. –

Papa wünscht das Du Hr. Heife(?) eine Vertheidigungs-

schrift schicken  sollst, Du erhältst hierdurch . . . .  +.

noch einige vielleicht kannst Du sonstigen

Gebrauch davon machen. – Wir freuen uns

alle auf Dich herzlich. Issak Brief, den wir heute erhielten, hat uns

aus einer großen Verlegenheit gebracht, denn

wir hatten ja schon so sehr lange keine Nachricht

von ihm. – Gott s. D. er ist wohl ist in einem

kleinen Städtchen Namens Gayoso State of

Missouri bei sehr braven amerikanischen Familie, die

ein Retail Geschäft haben. Isaak hat eine sehr geringe

Besoldung nämlich Kost, Logie, Wäsche, Kleider

und 3 Dolar monathlich, der junge Mann hat

 

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17071860-Seite 2.

 

hat sehr viel schon Noth, Hunger ausgestanden, die

Verwandten haben sehr wenig für ihn gethan (?) Walter

Wertheimer hatte ihn einen alten Rock geschenkt den

er ihn aber wieder zurück geschickt hätte, das sei

alles ge. . ofen(?), er hat einen sehr schönen Brief

geschrieben, ich hätte ihn Dir gerne geschickt

allein morgen sende ich ihn der l. Papa. –

Du sollst ihn dann später erhalten. Willst Du

meinen Brief an Isaak beilegen, es wäre sehr schön, Du

müßtest dann beim Empfang diesen gleich ein

Briefchen für ihn an uns schreiben wir wollen

bis nächsten Donnerstag in 8 Tagen den

Brief abschicken. - - -  Dein Geld

hätten wir Dir schon geschickt, allein

Hr. Opph. (?) ist ins Bad, ich schicke morgen

früh wieder hin und so bald wirs bekom-

men werdenn wir es Dir umgehend schicken.

                        Lebe recht wohlschreibe recht bald worauf

                           sich sehr freut Deine

                                                Dich zärtlich liebende Mama

                                                            Leonore

Was sagst Du zu Dr. Schwartz etc. etc.

. . . .  ein ächter (?) Frankfurter Ges. . .  mit Geld!

 

                        Lieber guter Sigmund!

 

Warum hast Du mir meinen Brief den

ich Dir von Mannheim aus schrieb im-

mer noch nicht beantwortet, ich werde

Dir nicht mehr schreiben, ohne eine Beant-

wortung  meines letzten Schreibens

von Dir erhalten zu haben. Leb’ wohl,

und vergiß nicht Deine Dich innigst liebende

                                    Thea Stein

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17071860-Seite 3.

                                                                den 17. Juli/60

 

                                                Lieber Sigmund!

 

Glaube nur nicht daß ich Dir einen Brief

schreiben will, denn in allen Deinen Briefen

finde ich selten einen Gruß an mich, und sendest

Du mir mal einen, so geschieht das immer

ganz am Ende. Zuerst grüßt Du die Freunde,

und alle Bekannten und ganz zu allerletzt denkst

Du erst an mich. Immer heißt es: Emilie und unser

liebes Haus. Das lieb gilt also nur dem Hause!

Ich liebe Dich, lieber Sigmund, schreibe mir doch einmal

auch ein Briefchen, und ich werde Dir gewiß

sogleich antworten. Heute will ich Dir nur

die Copie des Briefes senden, den Dein lieber

Bruder Isaak Dir aus weiter Ferne gesandt hat. –

Indem ich hoffe bald einige Zeilen von Dir zu er-

halten bleibe ich Deine Dich innig liebende Cousine

                                                Emilie Wertheimer

 

 

Abschrift    -------------------------------

 

                        Lieber guter Sigmund!

 

Stolz auf das Vergnügen Dir, Stolz meiner

Eltern zu schreiben, grüße ich Dich mit den

Glückwünschen eines liebenden Bruders.

Deine herzlichen Zeilen erweckten die Ge-

fühle eines Dich hochverehrenden Bruders

in mir, Dank, tausend Dank für die

Freuden, die Du meinen guten Eltern be-

reitest, sie mögen vielleicht die Wunden

vernarben, die ich ihnen geschlagen. Welch

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17071860-Seite 4

 

eine Freude muß es sein, welch wohl-

thuendes Gefühl muß es erwecken(?) Eltern

zu erfreuen, wie Du, durch Thaten zu

zeigen, daß Du den Namen Stein würdig

trägst! Leider kann ich von diesen Ge-

fühlen nicht aus Erfahrenen sprechen, da

ich erst(?) Vieles und Vieles in meinem Soll

stehen habe, eine Menge gut zu machen

habe, bevor ich beginnen kann meine

Eltern wahrhaft zu befriedigen. Wenn

Du, lieber Bruder, etwas von Deinem

Gutthun übrig hast, so erfreue meine l.

Eltern damit, vielleicht kannst Du ihnen,

den von mir verursachten Kummer schneller

vergessen machen und ich früher zu meinen

Werk schreiten. Dein Haben ist gefüllt

und Dein Soll blank u. weiß; Du hast

die l. Eltern stehts erfreut; auch mich hast Du

gesucht zu bekehren, ich Dich aber verschmäht.

Verzeihung für dies, ich bin Dir jetzt dankbar

und Dankbarkeit jetzt nur Gefühle und

Worte, später werden es Thaten sein. Wir

sind ein Blut, das auch unsere Herzen

und Seelen vereinigen, dann werden wir

einst vereinigt den Wettlauf machen, die

Tage unserer l. Eltern zu versüßen dies ist

der Wunsch Deines Dich liebenden

                                                Isaak