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Frankfurt a/M 17.5.59

Lieber Siegmund!

Es ist dies ein kleiner Nachtrag zu ...... Briefe, um Dich über
einige Punkte in Deinem jüngsten lieben Schreiben uns Auf-
schluß anzugehen. Es scheint mir nämlich, Du hast zu
wenig Collegia belegt & jung (?) . . . . . würdest Du fast
gar keine bekommen.
            Haussie(?) – hörst Du als Hosgos (?) - & ist dies das
                       Collegium der Zwang. Re . . . . . . .. . .(?), so
                       nimmt es erst(?) nur 2 Stunden in
                       Anspruch.

           Tueses (?) – hörst Du als Hosgos(?) – kommst also
                      selbstverstanden in keine nähere Be-
                      ziehung zu diesem bedeutenden Mann,
                      was bedauerlich ist.- Auch vergibt man
                      sich nur zu leicht, im Colleg zu schwänzen,
                      bei welchem man mehr oder weniger Ein-
                      dringlich ist. Das gefällt mir nicht.

          Hanno(?) - halte ich, nach Deiner Schilderung für
                      etwas mehr als nichts, & das ist,
                      beim Ernst der Studie, weniger als nichts.

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Imkendorfer(?) – gibt Dir Privatstunden, 2 in der
Woche und eine(?) Schnir(?) am Samstag,
also kein nächstes Colleg;
Stark – für das Tibelle(?), scheint sehr
schwach zu sein & ist so die
alte Phylosopie(?) für Dich
schlecht vertreten.

Wie willst Du mit dieser Gaudvoll Col
legia, die aber nichts Halbes & nichts Gan-
zes sind, Deine Zeit ausfüllen? – Ich
muß Dir daher aufrichtig sagen, daß
ich darüber im hohen Grade unbe-
friedigt & besorgt bin.

Der zweite Punkt hängt mit diesem zu-
sammen – er betrifft Deinen bisherigen Bedarf.
Du schreibst, Du habest für Collegia etc. etc., Briefe &
Papier fl.40 ausgegeben. Nun : Gaussie(?) bezahlst
Du nichts – Tuesses(?) bezahlst Du nichts – Imkendorfer

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hast Du noch nicht bezahlt – Stark – wohl auch
noch nicht, weil Du von 5 – 10 Gulden schreibst,
demnach noch nicht wußtest, was das betr.
Colleg kostet – bleibt also nur noch Hanno(?),
der doch wohl für sein Bißchen Hebräisch sich
nicht wird drei Karolin bezahlen lassen? –
Hier also liegt ein Rechenfehler, oder Du

müßtest Dir viel . . . . . . . . gekauft haben,
was ich nicht glaube, oder das Papier
müßte in Heidelberg sehr theuer, oder
die „etcaetera“ sehr kostspielig sein.

Also, lieber Sohn, wenn Du für kein(?)
Collegia so viel Geld ausgibst, wie
willst Du auskommen, wenn die 7 – 8
Collegia zu bezahlen hast? –
Im Übrigen haben wir uns mit Deinem
lieben Briefe sehr, sehr gefreut.
Auch Herr Sichel war so gütig uns zu

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besuchen & hat uns einen größeren Brief von
Dir in Aussicht gestellt. Die liebe
Thea dankt für Deine Bilder-
gallerie. Wir alle grüßen &
küssen Dich herzlich. Mama(?) willst(?)
Du entschuldigen, sie ist jetzt mit
dem Hause sehr beschäftigt. Bald
empfängst Du das . . . . . . . . . Der
Caspari ist hier nicht zu haben.

          In ewiger Liebe
                    Dein
                    Treuer Vater
                                 Stein