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                                                Stuttgard, den 5.ten Januar 74

 

Lieber Herr Doktor Stein!

 

Herzlichen Dank für Ihren

freundlichen Brief!

Gestatten Sie mir Ihnen

zu Ihrer Verlobung meinen

besten Glückwunsch auszusprechen,

und Ihnen zu diesem neuen

Lebensabschnitt, sowie zum

neuen Jahre, zu gratulieren,

und Glück und Segen wünschen.

Daß Sie Sich noch meiner

erinnert haben freut mich sehr.

Auch ich denke noch recht oft an

die schöne, gemeinsam ver-

lebte, große Zeit zurück.

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Besonders gerade jetzt in den

Gedächtnißtagen der denkwür-

digen Ereignisse von Paris.

Seit dem hat sich aber schon

so viel verändert und über-

haupt zugetragen, daß die

Vergangenheit schon unend-

lich weit hinter uns liegt und

ich mich oft verwundert frage,

ob es seit damals wirklich erst

drei Jahre her sei.

Aber viel Zeit zum Nachdenken

bleibt mir überhaupt nicht, denn

seitdem ich Schwadronschef  bin

habe ich faßt keinen Augenblick

übrig, und das ist auch bald

zwei Jahre her. Inzwischen

habe ich mir beim Stürzen mit

dem Pferd auch einmal

 

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den rechten Fuß gebrochen,

bin aber, Gott Lob, so gut geheilt

worden, daß ich sogar tanzen etc.

kann, wie früher, und Nichts

zurückgeblieben ist, nicht einmal

ein Barometer.

Verschiedene unserer damaligen

Bekannten freuten sich sehr von

Ihnen zu hören und grüßen

und gratulieren aufs Herzlichste.

Hauptm. v. Röder (Rittmstr. u. Rgtsadjutant d. . . .)

Grpt(?) Adelmann, Lt. Forster, v. Hiller etc. etc.,

Indem ich nochmals von

Herzen Glück wünsche

verharre ich lieber Herr Doktor

                        Ihr

            Ihnen ganz ergebener

                 Hzg. v. Württemberg

 

            P.S. Beifolgend sende ich Ihnen

                   meine Photographie als Erinnerung

                   an Ihre photographischen Versuche