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Willkommen

zum

zweiten April!

(1862)

 

Willkommen, Sohn, im Vaterhaus,

Willkommen, Sohn, willkommen! –

Die Vögel fliegen ein wie aus,

Sind froh stets aufgenommen.

Der Frühling kommt, das schöne Fest,

Da zog es dich zum alten Nest –

Willkommen hier, willkommen! –

 

Ja, Jugend ist dem Vogel gleich,

Singt froh wie Fink und Zeisig,

Doch kommt sie nur auf grünen Zweig,

Wenn sie auch brav und fleißig.

Gesammelt auf der Weisheit du,

Trägst du den Fund zum alten Bau,

Denn treu bist du – das weiß ich!

 

Drum hat das Nest die Mutter dir

Bestellt in der Mansarde;

Da schlafen unsre Vögelein hier

Auf trauter Hauses Warte.

Schlaft süß, erwachet mit Gesang.

Das blühende Roth auf neuer Wang.

Der Jugend Leibcocarde!

 

Willkommen denn, am schönen Tag,

Da müsst, mit frohen Blicken,

Lieb Mutter sah, das vor ihr lag!

Ihr Kindlein voll Entzücken! –

Du kamst am zweiten des April –

Recht klug! – da Niemand gern sich will

In ersten lassen schieben! –

 

Du strebtest auf, du wurdest flügg,

Und Gott- & Selbstvertrauen,

Die Schwingen haben, welch ein Glück!

Zur Höhe dich, der blauen.

Streb frisch & frei, froh & gesund,

Bis einst auf eigenem, grünen Grund

Du wirst das Nest dir bauen.

 

An seinen theueren Erstgeborenen Sigismund Theodor

 

Vater Stein