Jacob Abraham STEIN - BRANDIS

1791/1792 Born geboren
1832-1872 Chazzan in Dormitz

Vorsaenger in Dormitz

17.VII.1827  

From Rainer Domke:
Akte StAB [Staatsarchiv Bamberg] nr. K 3 C III 146 „Das kirchliche Leben der Juden im Landgerichtsbezirk betreffend 1824/8“ (gemeint ist das Landgericht Gräfenberg)
Auszug eines Scheibens vom 17.VII.1827 „2. Jacob Hofmayer von Dormitz übergibt Namens des durch Krankheit verhinderten Vorsängers Jakob Brandis zu Dormitz…daß derselbe nach der im November 1826 bestandenen Prüfung die Note in der 5.Klasse mit dem Prädicate hinlänglich erhalten, derselbe sey gegen 10 …(unleserlich, die Seite am Rand beschädigt!) in Dormitz als Vorsänger genommen und verehelicht, übrigens aus Burgebrach gebürtig.“ Also – er hatte massive Probleme, seine ab 1817 übernommene Stelle zu behalten, weil ihm die staatliche Anerkennung bis dahin fehlte – die Prüfung von 26 ergab ein „hinlänglich“, also ein „gerade noch“ (!) – er war definitiv verheiratet – so, und jetzt ganz nebenbei „übrigens“ aus „Burgebrach“… Sollte man im Protokoll es mit dem ähnlich klingenden Burgpreppach verwechselt haben? Nicht der erste Schreibfehler wie uns bekannt. (Wir als Kenner der Familiengeschichte sagen aber – zum Zeitpunkt der Geburt 1792/3 war Vater Abraham noch in Sulzdorf a.d.L.) Wir lassen die Sache vorerst einfach stehen.

die finanziell sehr arme Kultusgemeinde Dormitz hatte bereits 1824 an den bayerischen König flehentlich geschrieben (31.VII.1824) „…es ist für uns eine reine Unmöglichkeit  ein geprüftes Individuum (sic! seinerzeit übliches nicht abwertendes Wort) als Rabbiner anzunehmen. (…) Wir haben längst schon einen besonderen Vorsänger aufgenommen und mit demselben einen Dienstvertrag auf seine Lebenszeit in der Art abgeschloßen, daß er von uns mit seiner Familie, abgesehen von der Dauer seiner Function, erhalten werden muß.“    …da konnte die arme IKG froh sein, daß der von staatlicher Seite für den Chasanposten favorisierte Moses Rosenheimer schließlich eben nicht aus fachlichen Gründen das Vorsängeramt 1825 nicht von unserem Jakob übernehmen konnte – sondern weil man „entdeckte“, daß er Viehhandel betrieb… 

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Portrait of Jakob STEIN-BRANDIS
and his wife Sophie nee STEIN
from an original in the possession of Edith GOELLER
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Als die Juden Anfang des 19.Jhdts., in Bayern bei der Anlage der jeweiligen Matrikel, feste Familiennamen annehmen mussten, kam es nicht selten dazu, daß Väter einen anderen Namen wählten als die Söhne, so daß es innerhalb eigentlich einer Fam. mehrere unterschiedliche Zunamen gab…Für die Söhne des Abraham kommen nur Isaac und Jacob in Frage, denn der jüngste Loeb/Leopold war ja erst 1810 geb. worden. I. nannte sich offenbar auch Stein bzw. wechselte von Sulzdorfer.

Hingegen JACOB, seit 1817 bis zu seinem Tode 1872 Vorsänger der Gemeinde Dormitz, wechselte zu oder nahm gleich den Namen BRANDIS an: Möglicherweise geschah dies, indem er den Namen seines Schwiegervaters Jakob Juda (Jodel) Eisenbrand „vereinfachte“. Die Dormitzer Judenmatrikel nennt für den 1774 geb. Schnittwarenhausierhändler im Bereich des Landgerichts Gräfenberg 1822  7 Kinder zwischen ½ und 12 Jahren – somit müsste der Chasan Jacob eine Tochter des Eisenbrand aus dessen 1.Ehe zur Frau genommen haben, leider ist aber deren Name unbekannt. J.J.Eisenbrands Matrikelnachfolger wird für 1848 erwähnt, also dürfte dieser 47 oder 48 verstorben sein.

                                                                       - Rainer Domke

1872 Died in Dormitz, buried in Baiersdorf cemetery Starb in Dormitz, begraben i Baiersdorf

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The grave of Jacob STEIN-BRANDIS in the old Jewish cemetery of Baiersdorf
the note of his having been a Cantor in Dormitz can still be seen faintly [Discovery and photo by Rainer Domke]