From: http://www.alemannia-judaica.de/mannheim_synagoge_a.htm

Schon in den Monaten vor ihrer Fertigstellung wurde die Synagoge als "eine der schönsten wohl in Deutschland" bezeichnet. "In ihr wird ein zahlreicher Sängerchor und eine Orgel den Gottesdienst verherrlichen", wusste die "Allgemeine Zeitung des Judentums" am 25. Mai 1855 zu berichten und fügte im Blick auf die Mannheimer Gemeinde hinzu: "Erfreulich ist’s, wahrzunehmen, dass die zeitgemäße Umgestaltung desselben (sc. des Gottesdienstes) die Eintracht in der Gemeinde nicht stört. Wo wahrhaft religiöser Sinn herrscht, da wird die Religion nicht zum Zankapfel. Der dortige neuangestellte Rabbiner Herr Präger versteht indessen auch allen Parteien möglichst Rechnung zu tragen und geht bei seinen Reformen im Einvernehmen mit dem Synagogenrate besonnen vorwärts". Am 29. Juni 1855 konnte diese nunmehr vierte Synagoge feierlich eingeweiht werden. Die "Allgemeine Zeitung des Judentums" berichtete zur Einweihung: "Der Synagogenrat hatte Einladungen an sämtliche Geistliche, die höhern Civil- und Militärbeamten der Stadt usw. erlassen, welchen größtenteils entsprochen wurden. Aus der Gemeinde selbst wurden für sämtliche Männer, Frauen, Söhne und Töchter Plätze eingerichtet und die ganze Schuljugend nahm unter der Leitung ihrer Lehrer Anteil an dem Feste der Einweihung. Um 6 Uhr Abends nahmen die Mitglieder des aus 90 Personen aller Stände der israelitischen Gemeinde bestehenden Chors, die Damen festlich bekleidet, ihre Plätze ein. Weißgekleidete Mädchen mit Kränzen traten im Zuge durch das Portal ein und bildeten Spalier bis zur heiligen Lade. Die Rabbinen mit den aus alten Zeiten vererbten silbergeschmückten Tora-Rollen, nämlich der Stadt-Rabbiner, ... die Konferenz- und übrigen Rabbinen des Landes wurden an der Pforte von dem gesamten Synagogenrat feierlichst unter den vollen Klängen der Orgel empfangen und zur heiligen Lade beleitet. Dem Zuge folgten eine große Anzahl von Rabbinen benachbarter Städte und alle Vorstände von Verwaltungen der israelitischen Gemeinde und ihrer wohltätigen Stiftungen. Nachdem die Rollen in der heiligen Lade niedergelegt, eine eigens zur Feier der Einweihung komponierte Kantate abgesungen und von dem Stadt-Rabbinen eine der Gelegenheit angemessene ergreifende Festrede gehalten worden war, zündete man gegen 8 Uhr die Gas-Kandelaber an und im Glanze von 220 Flammen strahlte nun der neue Tempel. Die Gesangsvorträge, worunter eine von Rabbi Leopold Stein gedichtete und von dem fünfzehnjährigen Hermann Levi aus Gießen komponierte Kantate, wurden mit Präzision exekutiert und es bewährte sich bei dieser Gelegenheit wieder die Tüchtigkeit des Organisten Eberhard Kuhn, Lehrer des Chors, der auch die Gesänge, mit Ausnahme der Levi’schen Komposition, die Kapellmeister Vinzenz Lachner dirigierte, leitete. Unterstützt wurden die Gesangesvorträge durch die sonore Stimme des Vorsängers Gallenberg..." (AZJ 1855 S. 466f).