From: "Domke" <Rainerdomke@t-online.de>
To: "'David Lewin'" <david [at] lewinsdlondon [dot] org [dot] uk>
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Subject: Predigt Rabbi Stein
Date: Sat, 4 Jul 2009 18:56:52 +0200
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…vom 21.V.48 im Rahmen einer Feierstunde zur Eröffnung der dt.Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche

kam heute als Fotokopie der damals erschienenen Broschüre von (Bad) Homburg v.d.Höhe an und ist genau das erwartete „rhetorische Feuerwerk“ über den Psalm 85 mit dem Motto „Liebe und Wahrheit begegnen, Gerechtigkeit und Frieden küssen sich“

„Wir aber, Israeliten, die wir Deutschland um so mehr lieben, je mehr wir gelitten und geduldet, bis dieses teure Land geworden unser Vaterland, …wollen mit aller Begeisterung der Ehre und dem Ruhme des deutschen Vaterlandes unsere Kräfte zu widmen streben. … Die jüngsten Monate haben uns überzeugt,…auch für uns gibt es eine Anerkennung im Volke.“ Vor dem aaronitischen Schlußsegen heißt es „Der Herr (Gott) gebe dem deutschen Volke Kraft, der Herr (Gott) segne das deutsche Volk durch Frieden.“

Die 16 Seiten der Predigt in einem Zuge sofort gelesen – ein „großer Wurf“, es muß für dort damals Anwesenden eine tief beeindruckende, im Wortsinn „erhebende“ Feier gewesen sein… mit Bezug auf den Psalm fordere die Gegenwart „die Liebe auf dem Boden der Wahrheit, den Frieden auf dem Boden der Gerechtigkeit, das Wohl der Menschen auf dem Boden der Freiheit“…

(Bisweilen erscheint seine Rede wie eine Erläuterung zum Gehalt der deutschen Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland“. Ob der Rabbi das 8 Jahre zuvor entstandene „Lied der Deutschen“, das ja erst in der Zeit der Weimarer Republik dazu wurde, selbst gekannt hat? Ich bin mir sicher, er wäre davon begeistert gewesen…auch wenn die Verwirklichung dieser Sehnsüchte noch sehr lange auf sich warten ließ!)

Leopold Stein, der sich während seines ganzen Lebens im Rabbinatsamt, seinen Briefen und Gedichten – siehe viele Beispiele im „blauen Buch“ von Bettina und Heinrich Landauer – als überzeugter deutscher Patriot verstand, sprach zur Eröffnung der Nationalversammlung am 21.V. 1848 in der Bad Homburger Synagoge im Rahmen einer Feststunde, nachdem in ihr zuvor eine christliche (!) stattgefunden hatte. Basierend auf den Worten des 85.Psalms, V.11-14, meinte er, „die Sonne der Freiheit“ werde die „herrlichsten Kräfte an den Tag locken“, die Israeliten wollten „dem deutschen Vaterland ihre Kräfte widmen“; im Schlußgebet der Feier bittet er Gott „segne die Vertreter unseres Volkes, die sich versammelt haben, um Deutschland die Verfassung zu geben, die es groß und stark machen soll unter den Völkern der Erde.“

Es gibt ja einen aus dem hier Arnsberg zitiert offenbar aus einem Druck,– müsste man vielleicht mal in Ffm. und/oder B.Homburg versuchen, ob er sich in den dortigen Bibliotheken findet?

                                               Rainer Domke

From: "Matthaeus, Michael" <michael.matthaeus@stadt-frankfurt.de>
To: 'David Lewin' <david [at] lewinsdlondon [dot] org [dot] uk>
Subject: AW: Rabbiner Dr Leopold STEIN - Wahlen von 1864
Date: Thu, 14 May 2009 09:38:53 +0200

Sehr geehrter Herr Lewin,
Leopold Stein hielt am 21. Mai 1848 in der Homburger Synagoge folgende Predigt: Predigt, vorgetragen bei dem am 21. Mai zur Feier der Eröffnung der deutschen constituirenden National-Versammlungin der Synagoge zu Homburg abgehaltenen Gottesdienste, Homburg 1848.
Hiervon besitzen wir kein Exemplar. Auch im Katalog der Universitätsbibliothek Frankfurt (www.ub.uni-frankfurt.de) konnte ich keines finden.