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Für„Preppich" einst viel gelestet

Burgpreppach - Die Gruppe, die aus Jüngeren und Älteren, aus Frauen und Männern bestand, kam  aus  den  USA,   England, Südafrika,     Israel     und     aus Deutschland. Bei allen  Unterschieden  haben alle etwas Gemeinsames: sie sind Nachkommen   des   Rabbiners   Leopold Stein,  der  1810 in Burgpreppach geboren wurde. Stein gehört zweifellos zu den bedeu­tendsten Söhnen der Marktge­meinde. Die    Schlossherren    Monica und   Carl-Otto   von   Deuster, Bürgermeister  Karlheinz   Denninger sowie Vertreter des Vereins „Natur und Familie" (Nat-Fam) empfingen die Gäste mit herzlichen Worten im histori-

Familientreffen |Nachkommen des Rabbiners Leopold Stein
im Schloss Burgpreppach vom B
ürgermeister empfangen.

reformieren wollte. Der   rührige   Vorstand   von NatFam mit Heidi Flachsenberger,  von  Deuster  und  Gerda Wenzlow organisierte den Besuch. In Burgpreppach besichtigten die Nachkommen Steins neben dem Schloss den Judenfriedhof sowie alte Urkunden und   Schriftstücke   im   Archiv des Vereins. Sylvia und David Lewin aus London  erzählten  der  Neuen Presse, dass noch weitere Stationen  des   1882  gestorbenen Gelehrten   erkundet   werden. Neben     Altenkunstadt     und Burgkunstadt  stehen u.a.. der Besuch der Bamberger Synagoge und  des Judenfriedhofs  in Ebern auf dem Programm,    wag

sehen Barockschloss. Wie Monica von Deuster in ihrer kleinen Ansprache erläuterte, wurde der Prachtbau 1726 von Johann Philipp Fuchs von Bimbach und Dornheim gebaut. Die   Füchse   von   Burgpreppach gewährten zahlreichen Juden Schutz in ihrem Ort, wofür diese Abgaben zu leisten hatten. Diese sogenannten Schutz­juden   förderten   durch   ihren Fleiß den Handel und Wohlstand. Sie hatten maßgeblichen Anteil daran, dass sich „Preppich"    zu   einem   regionalen Wirtschaftszentrum   entwickelte.

  Als  Stein Anfang des  19. Jahrhunderts   geboren   wurde, wohnten  neben  43  evangelischen und 26 katholischen bereits 48 jüdische Familien in Burgpreppach.   Das  Verhältnis der Juden und  Christen war über lange Jahre unproblematisch. .   Schließlich    standen    viele Christen, vor allem Handwer­ker, Landwirte, Tagelöhner und Dienstmädchen, bei den Juden in Lohn und Brot. Erst die Rassenpropaganda der Nationalsozialisten  entfesselte  auch  hier eine wahre Hetzjagd.

 

Die   internationale   Gruppe, die sich vier Tage in Deutsch­land aufhält, ist in einem Hotel in  Adelsdorf  einquartiert.   In diesem Ort besuchte Stein die Elementarschule,  bevor  er  in Würzburg studierte. Von 1835 bis 1843 war er Rabbiner in Altenkunstadt und Burgkunstadt. Danach    wechselte    er    nach Frankfurt am Main, wo er als Stellvertreter des Oberrabbiners wirkte. Als weltoffener Mensch weilte er wiederholt in Marienbad und in Italien. Stein war ein  Literat  und  Freigeist,   der das Judentum in Deutschland