Christian Plätzer: Leopold Stein am Bayreuther Gymnasium

(Article courtessy Johann Fleischmann)

Leopold Stein wurde am 10. 11. 1810 in Burgpreppach geboren, besuchte unser Gymnasium von 1828 bis 1831 und wohnte in dieser Zeit bei Neustädter in der Jägerstraße. Diese Informationen habe ich zunächst in einer Zusammen-stellung gefunden, die einer meiner Vorgänger hier über die jüdischen Schüler erstellt hat. Ich konnte sie allerdings noch nicht alle anhand der Akten verifizieren. Das Geburtsdatum zum Beispiel weicht ja von dem auf der Internetseite um 5 Tage ab.

Etwas dubios ist auch, dass Stein nur in einem einzigen Jahres-bericht von uns auftaucht, nämlich in dem von 1829/30. Er besuchte in diesem Jahr die "Erste oder Untergymnasial-klasse", d.h. die erste von insgesamt 5 Klassen, die aufeinander aufbauen. Mit 19 5/6 Jahren war er der Älteste von 23 Schülern in der Klasse. Es gab allerdings mehrere, die schon 18 oder 19 Jahre alt waren. Er wird als 18. in der Liste verzeichnet, wobei die Anordnung einer Art Leistungs-Platzierung entspricht, also einem modernen "Ranking" entsprechend. Die Leistungen werden auch präzisiert: In der lateinischen Sprache war er 14., in der griechi-schen Sprache 18., in Geschichte 11. und in Mathematik 23. Stein scheint also gewisse Probleme gehabt zu haben, womöglich hatte er zuvor keine reguläre Lateinschule besucht, die ihn auf die Gymnasialklassen vorbereitet hätte. Mehr habe ich bislang leider nicht finden können. Da ich am Mittwoch Abiturprüfungen abnehmen muss, habe ich jetzt erst einmal was anderes zu tun. Ende der Woche habe ich hoffentlich etwas Zeit um noch ein paar genauere Informationen zu finden. Allzu viel wird es aber vermutlich nicht werden.

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Comment by Reiner DOMKE 19 Dec 2010:

Nach Schliessung der Jeschiwah in Fuerth bereits 1826 muss unser Loeb ja auf oeffentliche Schulen gehen – laut Auskunft des Stadtarchivs von vor so ca. 7 Jahren war er nicht Schueler des Gymnasiums (Fridericinaum) in Erlangen. Ich werde nochmals nachfragen, denn wie wir seit Wochen wissen, war er tatsaechlich
1829/30 Schueler des Gymnasium  in Bayreuth – das heutige Christian Ernestinum (nach dem Schulgruender im Jahre 1662,  Markgraf Christian E. von Brandenburg-Bayreuth, einem fraenkischen Vetter der Berliner Hohenzollern,) benannt. Er wohnte beim (sicher juedischen) Kaufmann Neustaedter, deren Kindern er Privatunterricht gegen Logis und Kost erteilte. Der Jahresbericht 1829/30 ist der einzige, der ihn nennt: also muss er von 1830 bis 1832 auf das Gymnasium in Wuerth gegangen sein.
Waere er „normalerweise“ die weiteren 4 (!) Jahrgaenge aufs Gymnasium gegangen, dann haette er 1835 das Abitur erst machen muessen – da schloss er bereits seine Universitaetsstudien in Wuerth ab, begann die Rabbistelle am Obermain in Burgkunstadt/Altkunstadt und hatte die „Ma`alot/Stufengesaenge“ gedichtet und drucken lassen!! Fazit: er muss seine „Luecken“ in aeusserst rascher Zeit voll geschlossen haben, um nach 1832 studieren zu koennen!
So – ich hoffe von einem Wuerther Kollegen des Wirsberg Gymnasium bald Antwort auf meine „Stein-Fragen“, erstmals formuliert am 15.XI.2010, fuer die Jahre 1830/32 zu bekommen, um auch hier die „Timeline-Luecken“ endgueltig zu schliessen.
Wuensche Euch/Ihnen allen „Shabbat Shalom“ aus dem tiefverschneiten deutschen Lande – haertester

Rainer Domke
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